Spanien im Mittelalter

 

 

Inhalt

1. Ursprünge der spanischen Geschichte
     Römer
     Westgoten

2. Unterm Halbmond: die arabische Dominanz
    Die Herrschaft der Omajjaden (756-1031)
    Zwischenzeit (1031-1086)
    Almoraviden (1086-1145) und Almohaden (1145-1212)
    Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur

3. Die christlichen Königreiche und die Reconquista
    Die Anfänge
    Reconquista
    Königreich Leon und Kastilien
    Königreich Navarra
    Königreich Aragon
    Spanien im Spätmittelalter

4. Anhang
    Leseempfehlungen

 

 

1. Ursprünge der spanischen Geschichte

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Die Anfänge des spanischen Volkes liegen wie bei vielen alten Völkern im Dunkel der Geschichte. Konkreter: Im Laufe des 3. Jahrtausends vor Christi kamen iberische Stämme kamen aus Nordafrika und siedelten im Süden und Osten der iberischen Halbinsel. Sie trafen bei ihrer Wanderung auf ligurische Stämme, die sich zuvor niedergelassen hatten. Es gab mancherlei Kontakte zwischen Iberern und anderen Völkern, die teilweise bis in die Bretagne reichten.

Um 900 drangen dann auch noch die Kelten über die Pyrenäen nach Spanien vor. Kelten und Iberer vermischten sich kaum, das Land war groß genug für beide.

Die nächsten "Besucher" waren die Phönizier, die im 8.Jh. Cadiz und Malaga gründeten. Sie bauten die Städte als Handelsniederlassungen aus, um die Bodenschätze (z.B. Erze) des Hinterlandes zu haben. Wo die Phönizier waren, da fehlten die Griechen nicht lange. Im 7.Jh.v.Chr. gründetne die Phokäer von Marsilia (Marseille) aus diverse Handelsplätze entlang des Mittelmeeres bis Malaga. Sie waren die ersten, die die einheimische Bevölkerung "Iberer" nannten.
Im 6.Jh.v.Chr. "beerbten" die Karthager die Phönizier mit denen sie verwandt waren. Hauptstützpunkte waren Cadiz, die Balearen und Sizilien. Das brachte sie in Konflikt mit dem aufstebenden Rom. Spanien war wichtigstes Nachschubgebiet für die Karthager unter Hannibal im 2. punischen Krieg (218-201 v.Chr.). Während Hannibal in Italien Krieg führte, fielen die Römer 218 v.Chr. unter Publius Cornelius Scipio in Spanien ein. Damit begann die römische Eroberung der iberischen Halbinsel. Sie traf auf erbitterten Widerstand der Iberer, der äußerst blutig und langwierig niedergeschlagen werden musste. Es dauerte 200 Jahre bis es endlich Kaiser Augustus gelang, Spanien zu befrieden.

Römer

SenecaUnter römischer Herrschaft wurde Spanien zum ersten Mal politisch geeint. Straßen und Städte wurden in großer Zahl gebaut und für Handel und Verkehr erschlossen. Hispanien, so nannten die Römer die Halbinsel, galt als reich, wurde in mehrere Provinzen aufgeteilt und eng an Rom gebunden. Bedeutende römische Persönlichkeiten kamen aus den spanischen Provinzen: der Philosoph Seneca, die Dichter Lukan und Martial sowie die beiden Kaiser Trajan und Hadrian.
Aber auch diese Blüte war nur von begrenzter Dauer. Franken und Sueben fielen im 3.Jh.n.Chr. in Spanien ein, verwüsteten Städte und ganze Landstriche. Rom erging es nicht besser: es musste sich an allen Fronten gegen die beginnende Völkerwanderung stemmen. Für Spanien begann ein politischer und gesellschaftlicher Verfall. Die 500 Jahre andauernde Herrschaft Roms endete im 5.Jh. mit dem scharenweisen Einfall diverser Germanenstämme.

Italica - Amphitheater
Italica - lauschige Atmosphäre heute

409 ist ein wichtiges Datum in der spanischen Geschichte: Die Bevölkerung und Kultur der Halbinsel änderte sich radikal. 409 fielen Vandalen, Sueben und Alanen in Spanien ein. Rom beauftragte die verbündeten Westgoten, die in Südfrankreich siedleten (hier hatten sie das Tolosanische Reich gegründet, ihr Reich von Toulouse), mit der Vertreibung der Eindringlinge. Rom war mittlerweile zu schwach, um selber Truppen zu schicken. Die Westgoten leisteten ganze Arbeit: die Vandalen wurden nach Afrika getrieben, die Sueben nach Asturien (Nordspanien) und die Alanen über die Pyrenäen gejagt.

Auch die Westgoten liesen sich ab dieser Zeit in Spanien nieder.

Westgoten

Die Westgoten verlegten im 6.Jh. ihre Hauptstadt vom südfranzösischen Toulouse nach Barcelona, dann nach Toledo und dehnten ihre Herrschaft allmählich auf ganz Spanien aus. Im Gegensatz zur romanischen Bevölkerung, die katholisch war, waren die germanischen Eroberer zunächst noch Arianer. 587 trat dann der westgotische König Rekkared zum katholischen Glauben über. Gleichzeitg setzte er die lateinische Sprache als Amtssprache durch. Damit begannen die Westgoten mit der romanischen Bevölkerung zu verschmelzen. Blonde Spanier mit blauen Augen sind noch heute Zeuge dieses Prozesses.
Rund 200 Jahre herrschten die Westgoten in großen Teilen Spaniens. Sie haben nur wenig Dauerhaftes hinterlassen. Sehr oft brachen Bürgerkriege aus zwischen den rivalisierenden Herrschergeschlechter oder gar innerhalb des Königshauses. Anfang des 8.Jh. war Spanien reif für Veränderungen. Diese kam aus dem Süden: es begann die Eroberung der Araber, bzw. Mauren.

 

2. Unterm Halbmond: die arabische Dominanz

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711 kam es zu Aufstände im südlichen Spanien gegen den westgotischen König Roderich. Die Rebellen baten ausgerechnet die in Marokko lebenden Araber um Hilfe. Der arabische Feldherr Tarik Ibn-Sijad ließ sich nicht lange bitten und überquerte mit ca. 7000 Mann die Meerenge von Gibraltar und landete in der Nähe von Tarifa (Der Name Gibraltar = Djebel-al-Tarik stammt aus dieser Zeit). Die Araber erfüllen ihre Aufgabe mit Bravour und besiegen den westgotischen König Roderich im Juni 711 bei Jerez vernichtend. Jedoch: die Geister, die man rief, wurde man nicht mehr los.
Durch das leichte Beutemachen auf den Geschmack gekommen, setzten die Maueren ihren Siegeszug durch die spanische Halbinsel fort. In nur drei Jahren eroberten sie ganz Spanien mit Ausnahme des Baskenlands, Galiziens und Teile Asturiens.
Allerdings waren die Mauren keine wilden Barbarenstämme aus Afrika, sondern eroberten Spanien im Dienste des Kalifen von Damaskus!

Kleiner Einschub: Woher kommt die Bezeichnung "Mauren"

Die eingefallenen arabischen Eroberer "Mauren" oder gar "Araber" zu nennen ist strenggenommen ungenau. Tarik und seine Mannen, vor allem diejenigen, die nach 711 nach Spanien kamen, gehörten zu den nordafrikanischen Stämmen der Berber. Sie waren Muslime und kamen aus der alten römischen Provinz Mauretanien. Dies verallgemeinernd sprach man bald nur noch von den Mauren.

Ihr Siegeszug ging weiter: 720 überquerten die Araber die Pyrenäen und "wanderten" 12 Jahre lang durch Süd- und Westfrankreich. Niemand schien sie aufhalten zu können. Erst 732 schlug der Frankenherrscher Karl Martell ("der Hammer") die Araber bei Tours und Poitiers. Es war kein überragender Sieg, aber für die Araber einschneidend. Sie waren nicht auf großes Schlachten aus, sondern bevorzugten leichte Eroberungen. Von der heftigen Gegenwehr überrascht, zogen sie sich nach Südfrankreich zurück. In der abendländischen Tradition wurde dieser Kampf jedoch als großer Sieg des Abendlandes gegenüber dem Morgenland bezeichnet. Es war sicher eine wichtige Schlacht, aber die Araber blieben noch 27 Jahre im Süden Frankreichs. Erst 759 gelang es Pippin dem Jüngeren sie über die Pyrenäen zu verdrängen.

Das arabisch beherrschte Gebiet (al-Andalus) unterstand von 711 bis 756 dem weitentfernten Kalifat von Damaskus. Es herrschte dort die Familie der Omajjaden. 756 übernahmen die Abbassiden in Damaskus die Macht. Die besiegten Omajjaden wurden blutig verfolgt und beinahe ausgelöscht. Einzig Abd-ar-Rahman I. gelang die Flucht. Er floh nach Marokko und von dort nach Spanien, besiegte die lokalen Truppen und errichtete den ersten vom Kalifat unabhängigen islamischen Staat: das Emirat von Cordoba.

Die Herrschaft der Omajjaden von Cordoba (756-1031)

Die iberische Halbinsel war vom 8. bis zum 15.Jh. in einen islamischen und einen christlichen Teil aufgespalten. Der christliche Teil beschränkte sich am Anfang auf den Norden und Nordwesten Spaniens (Asturien, Galizien, Baskenland). Der Rest war und blieb muslimisches Gebiet unter den Omajjaden.

Emir Abd-ar-Rahman I. (756-788) musste sein neues Reich erst einmal sichern. Mit harter Hand unterdrückte er alle Aufstände und innenpolitischen Gegner. Er baute ein eigenständiges Emirat auf - mit Zentrum in Cordoba. Unabhängigkeit von Damaskus und das Festigen seiner eigenen Herrscherdynastie waren die obersten Maxime seiner Politik.

Sein Sohn Hischam I (788-796) und sein Enkel Al-Hakam I. (796-822) folgten dieser Politik bedingungslos. Vor allem Al-Hakam galt als harter und grausamer Emir. Es gelang den beiden und ihren Nachfolgern, die politische Einheit für einen Größeren zu bewahren: für Abd-ar-Rahman II.(912-961).

912 übernahm Abd-ar-Rahman II. (912-961) das Emirat von Cordoba und führte das Reich in den nächsten knapp 50 Jahren einer beeindruckenden Blüte entgegen. Vor dem Blühen stand aber der Kampf. Aufstände musste niedergeschlagen, Unruhen unterdrückt werden. 927 eroberte er das marokkanische Ceuta (noch heute in spanischem Besitz) und 951 Tanger.

929 ging Abd-ar-Rahman II. einen entscheidenden Schritt weiter als seine Vorgänger: wegen seiner vornehmen Herkunft und seiner militärischen Erfolge, ernannte er sich selbst zum Kalifen. Eigentlich kann es nur einen Kalifen geben, nur einen Stellvertreter des Propheten Mohammed. Die Zeiten hatten sich aber gewandelt und Abd-ar-Rahman II.kümmerte sich nicht um diese "Kleinigkeit".
Die maurischen Kultur und Baukunst erreichte unter Adb-ar-Rahman II. ihren ersten Höhepunkt, was die 936 begonne Palaststadt Medina Azahara (nahe Cordoba) eindrucksvoll beweist.

Medina Azahara heute - im Regen ;-)
Medina Azahara - im Palast

Abd-ar-Rahmans Sohn Hakim II. (961-976) war ein großer Förderer von Künstlern und Wissenschaftler. Die Universität von Cordoba gehörte in der 2. Hälfte des 10.Jh. zu den führenden Bildungsstätten der bekannten Welt. Hakim überließ die Regierungsgeschäfte dem jüdischen Minister Hasdai Ben Schaprut und die Heeresleitung dem völlig skrupellosen Ibn Abi Amir, genannt Almansor.

Unter Hischam II. (976-1013) gingen die afrikanischen Eroberungen wieder verloren. Almansur war zu dieser Zeit der eigentliche Herrscher des Kalifates von Cordoba und durch seine Grausamkeit der Motor für dessen Niedergang. Almansur wurde zu einer Plage für die christlichen Länder im Norden Spaniens. Er eroberte Barcelona, plünderte und zerstörte Leon und Santiago di Compostella. Die weltberühmte Jakobskirche ließ er niederreißen.

Von 1013 bis 1031 herrschten chaotische Zustände im arabischen Teil Spaniens. Das Königshaus war untereinander zerstritten. Der arabische Adel lehnte die starke Zentralisierung der Macht im Kalifat ab. Er strebte nach mehr Selbstständigkeit. An dieser Konstellation zerbrach das Kalifat mit dem letzten Omajjadenherrscher Hischam III. (1027-1031).

Zwischenzeit (1031-1086)

Ab 1031 zerfiel das Kalifat von Cordoba in viele Taifas (Teilkönigreiche), die einander heftigst bekämpften. Die bedeutendsten Taifas waren Sevilla und Granada. Überraschenderweise wurde die politische Schwäche der Teilkönigreiche von einer hohen Kulturblüte begleitet. Jedes Taifa wollte die anderen militärisch und kulturell übertrumpfen. Während das erstere niemandem gelang und nur zu unnötigem Sterben führte, hatte das zweitere einen kultuellen Wettbewerb auf hohem Niveau zur Folge.
Gleichzeitig war die Phase der islamischen Uneinigkeit und Schwäche der Beginn der Rückeroberung Spaniens durch das erstarkte Christentum.

Über 50 Jahre hielt dieser Zustand Spaniens an, bis die Almoraviden, eine politisch-religiöse Gruppe von Berbern, die im Norden Afrikas herrschten, diese militärisch und politische Schwäche ausnutzten.

Almoraviden (1086-1145) und Almohaden (1145-1212)

1086 wurden die Almoraviden vom Herrscher von Servilla als militärische Hilfe gegen die Christen ins Land gerufen. Geschichte wiederholt sich zuweilen auf erstaunliche Weise. Wie 711 war es die ursprüngliche Aufgabe der Söldner gewesen, ihrem Auftraggeber militärisch zu helfen. Die Geister, die man rief, wurde man aber auch diesmal nicht mehr los: Die Almoraviden eroberten innerhalb weniger Jahre alle großen Städte des islamischen Spaniens. Als letzte fiel Saragossa 1110. Damit hatte Al-Andalus eine neue Herrscherdynastie.
Ihre Herrschaft war jedoch nur von kurzer Dauer. 1145 zerrütteten Aufstände gegen die Almoraviden das Land. An der Spitze dieser Protestbewegung stand eine weitere berberische religiös-politische Reformbewegung: die Almohaden. Unter ihrem Emir Abd al Mumin (†1163) eroberten sie die meisten Städte im Süden Andalusiens. Sein Nachfolger Abu Jakub Jussuf (1163-1184) eroberte 1172 Murcia. An seinem Hof lebte der Philosoph Ibn Ruschd (Averroes), der Verfasser von Kommentaren zu Aristoteles. Seine Kommentare ermöglichten es den christlichen mittelalterlichen Gelehrten, die Welt des Aristoteles zu erschließen.

Insgesamt nahm der Druck der christlichen Herrscher im Laufe des 12. und vor allem im 13. Jahrhundert beständig zu. Den Almohaden gelang es zwar 1195, König Alfons VIII. von Kastilien bei Alarcos zu schlagen, doch das war nur eine kurze Ruhepause vor dem Sturm. 1212 war es dann soweit. Bei Navas de Tolosa (in der Nähe von Jaen) erlitten die Almohaden unter al Nasir eine vernichtende Niederlage gegen ein gemeinsames christliches Heer aus Kastilien, Navarra und Aragon.

Die zentrale Regierung der Almohaden war zerschlagen. Der Zerfall des Maurenreiches in kleine unabhängige Fürstentümer war nicht aufzuhalten. Sie alle wurden nacheinander Beute der Christen. Die Reconquista hatte begonnen!

 

Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur im maurischen Spanien

Gesellschaft

In der Anfangszeit der maurischen Eroberung (9.Jh.) besetzten ca. 30.000 Mauren ein Land, in dem ungefähr 10 Mio Menschen lebten. Die Araber beherrschten Spanien durch ein wirkungsvolles Netz aus Garnisonen, die stark befestigt waren. Hauptstadt war zunächst Cordoba und oberster Herrscher Emir, bzw. Kalif. Nichtarabische Grundherren, die keinen Widerstand leisteten, durften ihr Land behalten. Frei gewordenes Land wurde an die Soldaten verteilt, die damit zu Großgrundbesitzern wurden. Sie blieben jedoch zum Heeresdienst verpflichtet.

Das gesellschaftliche Leben war religiös-nationalistisch organisiert. An der Spitze standen die Araber, die Einwanderer der ersten Stunde. Ihnen folgte die zahlenmäßig große Gruppe der Berber, die später Hinzugekommenen. Als nächstes kamen die zum Islam übergetretene hispanische Bevölkerung, auch muladies genannt. Weiter unten auf der Stufenleiter der andalusischen Gesellschaft standen die Christen (mozaraber) und Juden. Ganz unten befanden sich die Sklaven (zumeisten Schwarzafrikaner bzw. gefangene Christen). Die Stellung der Frau war unbestritten anerkannt und damit gänzlich anders als die im Orient übliche Herabwürdigung zur Sklavin.

Der Islam war, zumindest in der Anfangszeit, sehr tolerant gegenüber Christen und Juden. Doch seit die Christen ab dem 9. Jh. versuchten, die Araber zu vertreiben, war das Verhältnis zu den Christen verständlicherweise von Mißtrauen geprägt.

Wirtschaft

Die wirtschaftlichen Grundlagen Andalusiens waren Landwirtschaft und Gartenbau. Denkt man an die Gärten der Alhambra, kann man sich die Pracht gut vorstellen: Bau von Bewässerungsanlagen, Anpflanzungen von Obst, Reis, Baumwolle und Gewürzen. Hoch entwickelt war auch die Viehzucht mit berühmten Pferderassen und ausdauernden Mulis.

An Industrie findet sich vor allem die Texilindustrie, insbesondere in Sevilla mit seinen geschätzten über 10.000 Webstühlen im 10.Jh.. Über die Grenzen Andalusiens hinaus berühmt waren auch die Waffen und hier vor allem die Schwerter von Toledo.

Das Emirat bzw. Kalifat war reich. Es bezog seine Einkünfte aus den Erträgen des staatlichen Grundbesitzes. Weitere Einnahmequellen waren die Steuern auf Nichtmuslime (Muslime lebten steuerfrei), Einkünfte aus der Münzprägung sowie Lösegeldzahlungen für gefangene Christen. Ein großer Teil dieses Geldes floss in die Förderung von Kunst und Wissenschaft.

Kultur

Fast alle Herrscher Andalusiens förderten Wissenschaft und Kunst in hohem Maße. Sie bauten viele Elementarschulen und Universitäten. Die Mauren hatten eine besondere Vorliebe für Philosophie, Medizin, Rechtswissenschaft sowie Dichtung und Geschichtsschreibung.
In der Baukunst kam es zur Ausprägung eines eigenen Baustiles, deren wesentlichste Elemente verschiedene Bogenformen, vor allem Hufeisenformen waren.
Große Namen zeugen von der kulturellen Kraft, die von Andalusien ausging. Sie prägte das mittelalterliche Europa in hohem Maße. Wichtige Persönlichkeiten waren:

Ibn Rushd (Avveroes), Cordoba
Mamonides, Cordoba

 

 

3. Die christlichen Königreiche und die Reconquista

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Die Anfänge

Als die Mauren 711 wie ein Sturm durch das westgotische Spanien fegten, gelang es nur wenigen Regionen, sich dem zu entziehen. Vor allem der Norden der Halbinsel wehrte sich erfolgreich.

In Asturien bildete sich unter dem Westgoten Pelagius eine Widerstandsbewegung. 718 wählte ihn eine Versammlung der asturischen Adeligen zu ihrem Fürsten. Das war der Beginn des Königreiches Asturien. Pelagius sammelte eine Armee und zog erfolgreich gegen die Mauren zu Felde. Um 750 war es klar: die Araber konnten sich hier nicht festsetzen, sie wurden aus Galizien vertrieben. Die unmittelbare Bedrohung war vorbei.

Auch das Baskenland behauptete sich gegen die Mauren und gegen die gierig über die Pyrenäen blickenden Franken. Die baskische Hauptstadt war Pamplona.

Die dritte Region, in der sich ein erfolgreicher Widerstand bildete, waren die Pyrenäen, die Berge Aragons. Hier regierte ein Grafengeschlecht, daß sich wirkungsvoll gegen die maurischen und fränkische Vorherrschaft wehren konnte.

Fazit:
Drei Regionen in Spanien hatten sich erfolgreich gegen die Mauren gewehrt. Dies waren die Ausgangspunkte der christlichen Rückeroberung: Asturien, Baskenland (Navarra) und Aragon.

Die Reconquista

Der Name "Reconquista" bedeutet wörtlich übersetzt "Rückeroberung". Gemeint ist die Rückeroberung Spaniens aus der arabischen Herrschaft. Es gibt 2 Stoßrichtungen des Kampfes: Im Westen kämpfte sich das Königreich Asturien nach Süden vor. Träger der Rückeroberung waren hier der König und die freien Bauern. Vom Osten her rückten die beiden Königreiche Navarra und Aragon über die Jahrhunderte nach Süden vor. Diese Bewegung wurde vor allem durch Adel und Klerus vorangetrieben.

Die Reconquista begann im 9. Jh. und endete zunächst Mitte des 13.Jh. Nur ein maurisches Königreich war dann noch übrig: Granada. Es sollte erst in dem Jahr fallen, als Kolumbus Amerika entdeckte: 1492.

Königreich Leon und Kastillien

Anfang des 9.Jh. baute König Alfons II., der Keusche (791-842) seine neue Hauptsstadt Oviedo und befestigte sein Reich nach Süden, dort wo die Mauren herrschten. Zu diesem Zeitpunkt waren beide Reiche (Asturien und Al-Andalus) noch keine direkten Nachbarn. Es gab noch eine Art Niemandsland zwischen ihnen. Alfons ließ dort viele Burgen bauen, darum änderte sich auch der Namen der Region: von "Asturien" in "Kastilien" = das Land der Burgen.

König Ordono (850-866) fiel in Kastilien ein und dehnte damit sein Reich nach Süden aus.

Sein Nachfolger König Alfons III. (866-909) verlegte die Hauptstadt nach Leon. Um 931 wurden mehrere kleinere Grafschaften zur Großgrafschaft Kastilien zusammengelegt.

Leon und Kastilien entwickelten sich im 10. und im 1.Drittel des 11.Jh., wegen Führungsschwäche der Könige, langsam auseinander.

Erst unter Ferdinand I. (1035-1065) endete die Schwäche des christlichen Reiches im Westen. Er erhob Kastilien zum Königreich und beerbte 1037 das Königreich Leon. Außerdem trieb er die benachbarten moslemischen Königreiche durch mehrere Feldzüge in die Enge und eroberte das Gebiet zwischen Duero und Coimbra.

Ein erster Höhepunkt der Rückeroberung erfolgte unter König Alfons VI. (1072-1109) mit der Eroberung Toledos 1085. Toledo wurde demonstrativ zur neuen Hauptstadt Kastiliens erhoben. Berühmt wurden diese Feldzüge durch die Teilnahme des Feldherrn Roderich Diaz de Vivar, genannt el Cid.
Der erfolgreiche Vorstoß Alfons VI. nach Süden wurde allerdings Anfang des 12. Jh. von den Almoraviden und dann von den Almohaden gestoppt.

Das 12. Jh. war geprägt von der Erbteilung der Königreiche Leon und Kastilien. Durch die damit verbundene Schwächung hatten die westlichen Christenherrscher alle Hände voll zu tun, sich gegen die Mauren zu behaupten. Die Reconquista war steckengeblieben. Es gab Siege und Niederlagen auf beiden Seiten, aber keine Entscheidungen.

Der entscheidende Wandel kam erst mit König Ferdinand III. (1217-1252). Als erstes vereinigte er die Königreiche von Leon und Kastilien wieder (1230). Geeint und damit gestärkt ging er in die Offensive. Ferdinand III. eroberte Cordoba (1236), Sevilla (1248), Murcia, Jaen und viele anderen Städte des Westens.

Sein Nachfolger Alfons X der Weise (1252-1284) setzte die Eroberungspolitik konsequent fort. Er eroberte alle übrigen Städte des Westen wie Cadiz (1267). Das einzige übriggebliebene Maurenreich war das Nasridenreich von Granada. Damit war die Reconquista vorläufig beendet.

Fazit:
Innerhalb von 50 Jahren verdoppelte sich das Herrschaftsgebiet von Kastilien. Das Königreich war unbestritten die größte Macht auf der spanischen Halbinsel geworden. Der maurische Feind geriet allerdings, angesichts der Bedrohung durch die anderen christlichen Mitstreiter, ein wenig in den Hintergrund. Es entbrannte ein diplomatischer und gelegentlich auch militärisch ausgetragener Kampf um die Vorherrschaft in Spanien zwischen den Königreichen von Kastilien und Aragon. Dieser innerchristlichen Auseinandersetzung verhalf Granada zu weiteren 250 Jahren Bestand und Blüte..

Königreich Navarra

Die Blütezeit des Königreichs Navarras war im 11. Jh unter König Sancho dem Großen (1000-1035). Er beherrschte zu dieser Zeit auch die Königreiche Leon und Kastilien. Nach seinem Tode wurden seine Reiche aufgeteilt und der Weg ins politische Abseits begann.

Stück für Stück nahmen die christlichen Königreiche Kastilien und Aragon ihrem Glaubensbruder in der Mitte große Ländereien weg.

Zwar gelang es Sancho VI. dem Weisen (1150-1194), Navarra in den heutigen Grenzen unabhängig zu halten, aber Navarra hatte keine Grenzen mehr zum muslimischen Teil Spaniens und konnte an der Reconquista nicht mehr teilnehmen und damit auch nicht mehr wachsen. Im Gegenteil: durch eine Heirat mit dem französchen Königshaus geriet Navarra unter französischen Einfluss. Es entfernte sich zusehens vom iberischen Kulturkreis und geriet in die politische Bedeutungslosigkeit.

Königreich Aragon

1035 wurde aus der Grafschaft Aragon, die ein Teil des Königreiches Navarra war, ein eigenständiges Königreich. Zunächst ging es für König Ramiro I. (1035-1063) darum, seine frisch gewonnene Unabhängkeit zu erhalten. Sein Sohn König Sancho Ramirez (1063-94) ging einen Schritt weiter: er eroberte weitere Teile von Navarra für sich. Damit war die Selbständigkeit nicht mehr in Frage gestellt.

Peter I. (1094-1104) stürzte sich mit Vehemenz in die Recoquista, 1096 eroberte er Huesca, den Mittelpunkt der Maurenherrschaft nördlich des Ebro. Seinem Bruder und Nachfolger König Alfons I., gen. der Kämpfer (1073-1134) gelang 1118 mit der Eroberung Zaragozas einen heftigen Schlag gegen die Muslime. Alfons machte Zaragoza sogar zur Hauptstadt Aragons. Die Expansion nach Süden ging unvermindert weiter.

1137 gewann das Königreich Aragon die bedeutende Grafschaft Barcelona durch Heirat dazu. Damit erhielt der reine Binnenstaat Aragon Zugang zum Mittelmeer und es eröffneten sich völlig neue Möglichkeiten.

Doch zunächst gingen die innerspanischen Eroberungen weiter. Als nächstes stand die Herrschaft von Valencia auf der Liste. Diese Ehre gebührt König Jakob I,, dem Eroberer (1213-1276). Er eroberte die Balearen und 1238 schließlich Valencia, das neben dem Königreich Aragon und dem Fürstentum Barcelona zum dritten großen Bestandteil des Staatsgebietes von Aragon wurde.

1244 kam der Zeitpunkt, wo die Eroberungszüge von Kastilien mit denen von Aragon aufeinandertrafen. Kastilien eroberte das Reich von Murcia, damit war Aragon vom weiteren Landgewinn abgeschnitten. Seine Ausdehnung konnte nur noch über das Mittelmeer gehen.
Jakob I. verheiratete 1262 auch deshalb seinen Erben Peter III. mit Konstanze, der Tochter Manfreds von Sizilien. Der Schritt über das Mittelmeer war getan.

Spanien im Spätmittelalter

Spanien erlebte im Spätmittelalter ähnliche Entwicklungen wie das übrige Europa: ein hoher Bevölkerungsverlust durch die Pest, die sozialen Strukturen beginnen sich aufzulösen, der Einfluß der Könige steigt auf Kosten des Adels und der Kirche.

Spanien und Portugal entwickelten sich am Ende des Mittelalters zu eigenständigen Nationalstaaten, die soweit gefestigt waren, daß alle Voraussetzungen für den Aufstieg zu europäischen Großmächten erfüllt waren.

Ein entscheidender Schritt auf diesem Weg war die Vereinigung der Länder Kastilien und Aragon 1479 durch die Heirat König Ferdinands von Aragon mit Königin Isabella von Kastillien

Die erste gemeinsame Tat diente der Stärkung ihrer königlichen Autorität: der Kampf gegen die letzten Mauren in Spanien.

1481-1492 kämpfte das geeinte christliche Spanien ein letztes Mal gegen das Königreich von Granada. Die Herrscherfamilie der Nasriden hatteüber 250 Jahre lang in Granada ein Reich von hoher kultureller Blüte aufgebaut. Das beeindruckenste Beispiel dafür ist die Alhambra. Anfang 1492 wurde Granada eingenommen, der letzte maurischen König Abdallah zog sich nach Afrika zurück. Viele Mauren blieben allerdings in Granada. Die Integration der arabischen Bevölkerung blieb für die kommenden Jahrzehnte ein ungelöstes und hochexplosives Problem.

Das bedeutendste aussenpolitische Ereignis ist ohne Zweifel die Entdeckung Amerikas 1492 durch Christoph Kolumbus und der Beginn der kolonialen Herrschaft Spaniens!

 

Impression aus der Alhambra in Grenada

Eingang Acazaba
Patio de los Leones
Schnitzkunstwerk
Generealife

 

 

4. Anhang

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FINIS

Stand: 12.12.2005